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Man kennt das aus dem Privatleben: Jemand möchte einen Bankkredit aufnehmen, verfügt aber nicht über die notwendigen Sicherheiten wie beispielsweise eine Immobilie. In so einer Situation hilft dann nur noch ein Bürge weiter. Er springt ein, wenn der Kreditnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. Verbraucherschützer werden nicht müde, vor dieser Konstellation zu warnen: Zu oft war letztendlich nicht nur der Kreditnehmer, sondern auch der Bürge pleite.
Was privat verpönt ist, ist zwischen Geschäftspartnern gang und gäbe. Die Stellung des Bürgen nimmt hier jedoch eine Versicherung ein, die spezielle Bürgschaftsversicherungen anbietet. In vielen Fällen kommen Aufträge nämlich erst dann zustande, wenn ein Auftragnehmer seinem Auftraggeber eine Bürgschaft vorlegen kann. Damit möchten Auftraggeber verhindern, dass die den Auftrag übernehmende Firma aufgrund von finanziellen Problemen zeitliche Verzögerungen auslöst.

Für wen eignen sich Bürgschaftsversicherungen?

Dieser Versicherungstyp basiert rechtlich auf den §§ 765 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) sowie den §§ 43 ff. Versicherungsvertragsgesetz (VVG).
Bürgschaftsversicherungen sind gerade für Firmen aus dem Mittelstand oder Existenzgründer immer wichtiger geworden: Vor einigen Jahren war es üblich, dass Banken die geforderten Bürgschaften ausstellten. Die Kreditinstitute haben zwischenzeitlich jedoch die Bedingungen verschärft, was die Bedeutung von Bürgschaftsversicherungen deutlich erhöht hat.
Die Versicherung wird vom Schuldner abgeschlossen, das Versicherungsunternehmen stellt zur Dokumentation und rechtlichen Absicherung eine Bürgschaftsurkunde aus. Typische Branchen, in denen Bürgschaften dieser Art benötigt werden, sind die Bauwirtschaft und der Maschinenbau. Wenn Verträge in der Bauwirtschaft abgeschlossen werden, wird in den meisten Fällen ein Sicherheitseinbehalt in Höhe von 5-10 % der gesamten Baukosten vereinbart. Dieser Sicherheitseinbehalt hat den Zweck, im Fall von Baumängeln diese zu beseitigen. Die Gepflogenheiten sind im Maschinenbau ähnlich: Hier geht es meistens um sehr große Beträge, sodass ein Sicherheitseinbehalt dem Kunden einen Rückhalt bietet.

 

Vorteile der Bürgschaftsversicherung gegenüber der Bankbürgschaft

Die oft geforderten Sicherheitseinbehalte sind zwar aus Kundensicht verständlich, bergen jedoch für diejenigen Firmen, von denen sie verlangt werden, ein Problem: Im schlimmsten Fall wird ihre Liquidität derart begrenzt, dass finanzielle Engpässe entstehen, die bis zu einer Bedrohung der Firmenexistenz führen können. Dagegen half im Regelfall die Inanspruchnahme einer Bankbürgschaft, die auch unter der Bezeichnung Avalkredit bekannt ist. Auf diese Weise wurde zwar die Liquidität einer Firma geschont, jedoch auch die Kreditlinie, die eine Bank ihrem Firmenkunden angeboten hat, beansprucht und auf diese Weise deren finanzieller Spielraum eingeschränkt. Wie bereits oben erwähnt, hatten es jedoch manche Firmen immer schon schwer, einen solchen Avalkredit eingeräumt zu bekommen. Mit einer Bürgschaftsversicherung sind diese Schwierigkeiten für einen günstigen Versicherungsbeitrag ausgeräumt. Weitere Vorteile sind ihre einfache Abrufbarkeit und ihre problemlose Handhabung: Bürgschaftsversicherungen werden in den meisten Fällen für die Dauer eines Jahres abgeschlossen und können entweder ein Vierteljahr vor ihrem Ablauf gekündigt werden oder sich automatisch verlängern.
Auch hinsichtlich der Kosten ist die Bürgschaftsversicherung klar im Vorteil gegenüber einem Avalkredit: Während für diesen Versicherungstyp ein Zinssatz zwischen 0,8 und 2,5 % der Bürgschaftssumme verlangt wird, erheben Kreditinstitute für eine Bankbürgschaft zwischen 2 und 4 %.

 

Nachteile der Bürgschaftsversicherung gegenüber der  Bankbürgschaft

Als Nachteil einer Bürgschaftsversicherung kann gesehen werden, dass sie sich auf eine ganz bestimmte Forderung und damit auf einen konkreten Anspruch von Seiten des Gläubigers bezieht. Das bedeutet: Im Ernstfall springt eine Bürgschaftsversicherung auch nur für diese festgeschriebene Forderung ein.
Außerdem wird bei Vertragsabschluss eine positive Bonität des Versicherungsnehmers erwartet. Da dies jedoch auf alle Finanzgeschäfte zutrifft, kann dieser Umstand nicht als spezifischer Nachteil einer Bürgschaftsversicherung gewertet werden.

 

Welche Formen der Bürgschaftsversicherung werden angeboten?

Im gewerblichen Bereich sind folgende Varianten üblich:

 

  • Ausführungsbürgschaft
    Sie ist die am meisten gewählte Form der Bürgschaftsversicherung und wird vereinbart bei Aufträgen, für die der Auftragnehmer Vorausleistungen in großem Umfang erbringen muss. Die Ausführungsbürgschaft garantiert hier, dass ein Auftrag fertiggestellt werden kann.

  • Bauhandwerkersicherungsbürgschaft
    Sie dient dazu, die Ansprüche eines Bauunternehmers gegen seinen Auftraggeber abzusichern. Gemäß § 648a BGB arbeiten Bauunternehmen auf der Basis des Werkvertragsrechts und haben daher das Recht, eine solche Bürgschaft von ihrem Auftraggeber einzufordern. Diese Möglichkeit der Absicherung ist für Bauunternehmen sehr wichtig, weil sie bei auf der Basis des BGB geschlossenen Werkverträgen erst nach der vollständigen Auftragsabwicklung ihren Werklohn fordern können, der Auftraggeber jedoch in der Zwischenzeit zahlungsunfähig werden könnte.

  • Vertragserfüllungsbürgschaft/Fertigstellungsbürgschaft
    Diese Form der Bürgschaft schützt den Auftraggeber: Für den Fall, dass der Auftragnehmer im Zeitraum vom Vertragsbeginn bis zur Verjährung Insolvenz anmelden muss, nimmt diese Form einer Bürgschaft die Funktion eines Sicherheitseinbehalts ein.

  • Mängelansprüchebürgschaft/Gewährleistungsbürgschaft
    Auch hier steht der Schutz des Auftraggebers im Vordergrund: Wenn der Auftragnehmer beispielsweise wegen einer Insolvenz seiner Pflicht zur Mängelbeseitigung nicht nachkommen kann, springt hier die Bürgschaftsversicherung ein. Anderenfalls müsste ein Auftragnehmer einen Sicherheitseinbehalt von in der Regel 5 % des Auftragsvolumens hinnehmen und würde diesen Betrag erst nach dem Ablauf der Gewährleistungsfrist (4 Jahre nach VOB/B, 5 Jahre nach BGB) erhalten.

  • Bietungsbürgschaften
    Bietungsbürgschaften kommen zum Tragen, wenn eine Behörde oder ein Unternehmen im Rahmen einer Ausschreibung die im Angebot angegebenen Konditionen für die Auftragserteilung sichern will. Die Bietungsbürgschaft gilt für die gesamte Ausschreibungsdauer von in der Regel 3-6 Monaten und beträgt bis zu 5 % des Auftragswerts. Mit der Bietungsbürgschaft wegen zwei Szenarien abgesichert:
    - Wenn ein Bieter sein Angebot nicht aufrecht erhält und deshalb Mehrkosten entstehen.
    - Der Bieter erhält den Zuschlag, ist jedoch nicht in der Lage, Sicherheitsleistungen zu stellen.

  • An- und Vorauszahlungsbürgschaften
    Für diese Art der Bürgschaftsversicherung gibt es nur wenige Anbieter. Mithilfe dieser Versicherung werden die Anzahlungen, die ein Auftraggeber an einen Auftragnehmer zu zahlen hat, abgesichert.

 

Sind Bürgschaftsversicherungen teuer?

Zu den wichtigsten Berechnungsfaktoren für die Ermittlung der Beitragshöhe zählt der Bürgschaftsrahmen. Darüber hinaus kann es auch eine Rolle spielen, ob bei dem Versicherungsnehmer Sicherheiten vorhanden sind. Die Wahl des Versicherungsunternehmens spielt als drittes Kriterium eine wichtige Rolle.